Die Tomate (Solanum lycopersicum) ist weit mehr als nur eine Zutat für Salate oder Saucen. Sie ist das Symbol für den Sommer und die eigene Ernte im Garten. Ursprünglich als Zierpflanze nach Europa gekommen, hat sie einen beispiellosen Siegeszug angetreten. Heute gibt es sie in tausenden Variationen – von winzigen, zuckersüßen Wildtomaten bis hin zu fleischigen, pfundschweren Ochsenherztomaten.
1. Botanik und Herkunft
Die Tomate gehört zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) und ist damit eng mit der Kartoffel, der Paprika und der Aubergine verwandt. Ihre ursprüngliche Heimat liegt in den Anden Südamerikas (Peru und Ecuador), wo sie von den Mayas und Azteken kultiviert wurde. Das Wort „Tomate“ leitet sich vom aztekischen xitomatl ab.
Nach Europa kam sie im 16. Jahrhundert durch Christoph Kolumbus. Interessanterweise hielt man sie anfangs für giftig und nutzte sie lediglich als dekorative Kletterpflanze. Erst im 18. und 19. Jahrhundert wurde ihr kulinarischer Wert, vor allem in Italien, vollends erkannt.
2. Erscheinungsbild
Die Tomate ist eine meist einjährig kultivierte, krautige Pflanze, die je nach Sorte sehr unterschiedliche Wuchsformen annehmen kann.
- Blätter: Die Blätter sind fiederschnittig, behaart und verströmen bei Berührung einen sehr charakteristischen, leicht herben Duft. Dieser Duft stammt aus den Drüsenhärchen, die ein klebriges Sekret abgeben.
- Blüten: Die Pflanze bildet gelbe, sternförmige Blüten aus, die meist in Wickeln angeordnet sind. Tomaten sind Selbstbestäuber, benötigen jedoch Wind oder Insekten (vor allem Hummeln), um die Pollen in der Blüte zu lösen.
- Früchte: Botanisch gesehen ist die Tomate eine Beere. Ihre Formen reichen von rund über oval bis hin zu gerippt oder birnenförmig. Auch farblich ist sie vielfältig: Neben Rot gibt es gelbe, orangefarbene, grüne, gestreifte und sogar tiefschwarze Sorten.
3. Standort und Pflege
Tomaten gelten als „Starkzehrer“, was bedeutet, dass sie einen hohen Bedarf an Nährstoffen und Sonne haben:
- Licht und Wärme: Sie benötigen einen sehr hellen, warmen und vollsonnigen Standort. Ideal ist eine Hauswand im Süden, die Wärme speichert.
- Boden: Der Boden sollte tiefgründig, locker und reich an Humus sein. Eine gute Kompostgabe vor dem Auspflanzen ist sehr empfehlenswert.
- Wasser: Tomaten brauchen viel Wasser, dürfen aber niemals von oben gegossen werden. Nasse Blätter fördern die gefürchtete Kraut- und Braunfäule. Gegossen wird stets direkt am Fuß der Pflanze.
- Besonderheit (Ausgeizen): Bei Stabtomaten müssen die Seitentriebe in den Blattachseln entfernt werden („ausgeizen“), damit die Kraft der Pflanze in die Hauptfrüchte fließt.
4. Heilwirkung und Inhaltsstoffe
Obwohl die Tomate primär ein Lebensmittel ist, hat sie beachtliche gesundheitliche Vorteile.
- Lycopin: Dieser rote Farbstoff ist ein starkes Antioxidans. Er schützt die Körperzellen vor freien Radikalen und kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. Interessanterweise ist Lycopin aus erhitzten Tomaten (Saucen) für den Körper besser verfügbar als aus rohen.
- Vitamine: Sie sind reich an Vitamin C, Vitamin E und verschiedenen B-Vitaminen.
- Kalium: Der hohe Kaliumgehalt wirkt entwässernd und reguliert den Blutdruck.
- Wichtiger Hinweis: Die grünen Teile der Pflanze (Stängel, Blätter) und unreife grüne Früchte enthalten Solanin, das in größeren Mengen giftig ist.
5. Kulinarische Verwendung
Die Tomate ist wohl eines der vielseitigsten Lebensmittel überhaupt:
- Roh: In Salaten, als Caprese mit Mozzarella oder einfach auf dem Brot.
- Gekocht: Als Basis für Pastasaucen, Suppen, Ketchup oder Ratatouille.
- Konserviert: Getrocknet in Öl, passiert (Passata) oder als konzentriertes Mark.
- Geschmack: Man spricht bei reifen Tomaten oft von der fünften Geschmacksrichtung „Umami“, die für eine besondere Herzhaftigkeit sorgt.
6. Symbolik und Geschichte
Früher nannte man die Tomate in Europa oft „Paradiesapfel“ oder „Liebesapfel“ (Pomme d’amour). Dies deutet auf die einstige Vermutung hin, sie besäße eine aphrodisierende Wirkung. Heute ist die Tomate ein Symbol für gesunde Ernährung und die Biodiversität. Der Erhalt alter Sorten (ProSpecieRara, Arche Noah) ist zu einer wichtigen Bewegung geworden, um dem Einheitsgeschmack industrieller Hybrid-Sorten entgegenzuwirken.
